Mehrsprachigkeit im Mathematikunterricht – Praktische Überlegungen am BRG 16 Schuhmeierplatz

Ich unterrichte an einem BRG in Wien. Aktuell plane ich eine empirische Untersuchung mit 10 bis 14-jährigen (bzw. 15 bis 17-jährigen) Schüler*innen, die Türkisch als einen Bestandteil ihres erstsprachigen Repertoires haben und die von Beginn an in Österreich beschult wurden.

Eine meiner Fragen lautet: Wie setzen die Schüler und Schülerinnen Sprachen bzw. ihre sprachlichen Repertoires beim Lösen von Textaufgaben ein? In einem kleinen Experiment habe ich bereits erhoben, wie sehr die Kinder Begriffe verstehen, die sie in der Mathematik und im Alltagsleben verwenden. Welche Begriffe sind für sie wichtig und unverzichtbar? Und welche sind mehrdeutig? Für diese Erhebung, habe ich die Kinder bekannte Märchen aus der Sicht eines Mathematikers/ einer Mathematikerin erzählen lassen. Jedes Kind las das Märchen für sich und unterstrich gleichzeitig die Begriffe, welche es bis jetzt im Mathematikunterricht gehört bzw. gelernt hatte. Anschließend wurden die unterstrichenen Begriffe und ihre Bedeutungen in der jeweiligen Gruppe gegenseitig erklärt und diskutiert. Die Interaktionen wurden durch eine Tonaufnahme aufgezeichnet.

In der nachfolgenden Tabelle sind die Häufigkeiten der 37 im Text vorkommenden mathematischen Begriffe auf ihre (korrekte) Anwendung hin aufgeschlüsselt:

Es gibt bislang noch wenige Lehr- und Lernmaterialien für den Mathematikunterricht in Klassen mit Kindern verschiedener sprachlicher Repertoires. So gibt es eine ÖSZ-Broschüre zum sprachsensiblen Fachunterricht Mathematik in der Sekundarstufe aus dem Jahr 2017. International findet sich auf der Plattform escapeprojects.ca eine Sammlung von sprachenfreundlichen Unterrichtsbeispielen für die naturwissenschaftlichen Fächer. Doch bleibt in dieser Hinsicht noch viel zu tun. Auch in der universitären Ausbildung, ganz besonders bei Fachdidaktik-Seminaren und im Umgang mit dem Lernkontext muss darauf noch viel mehr Augenmerk gelegt werden.

Mein Beitrag sollen am Ende meiner Forschung ein mehrsprachiges Übungsbuch, Hefte oder Arbeitsblätter, in denen die wichtigsten grundlegenden Beispiele (gezielte Textaufgaben zu ausgewählten Themen) enthalten sind, für die Unter-/Oberstufen-Schüler*innen bzw. Kolleg*innen, stehen. Dieses könnte gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern gestaltet werden.

So könnte man den Mathematikunterricht für mehrsprachige Kinder, speziell für Kinder mit Türkisch als Erstsprache, besser gestalten. Das könnte nicht nur der Verbesserung des Mathematikunterrichts dienen, sondern auch für die gesamte schulische und persönliche Entwicklung der Jugendlichen förderlich sein. Darüber hinaus versteht sich diese Arbeit als Beitrag zum besseren gegenseitigen Verstehen in einer Gesellschaft, in der heute Menschen mit vielen Sprachen und Kulturen zusammenleben.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Gülsen Serin, Klassenvorständin und Kustodin am BRG 16 Wien

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