Mehrsprachigkeit – ein voXmi-Projekt am BRG Kepler

Am BRG Kepler in Graz hat sich im Sommersemester eine Gruppe von SchülerInnen der 7. Klassen entschlossen, ein voXmi-Projekt zu machen. Vor die Wahl mehrerer Themen gestellt entschieden sich die SchülerInnen für „Mehrsprachigkeit“. Der Grund für die Themenwahl lag auch an der Zusammensetzung der Gruppe, in der einige TeilnehmerInnen mehrsprachig sind, das heißt, dass über die Fremdsprachen, die alle gemeinsam in der Schule lernen, noch so „exotische“ Sprachen wie Albanisch oder Armenisch, Mazedonisch und Chinesisch vorhanden sind und Deutsch nicht immer die Erstsprache ist. Und natürlich gab es da noch Steirisch und oberösterreichisches Deutsch als Erstsprachen.

So sollte erst mal die Sprachenlandschaft innerhalb der Gruppe erforscht werden.

Dazu gab es als Einstieg Texte aus dem sehr lesenswerten Buch „Mitten durch meine Zunge. Erfahrungen mit Sprache von Augustinus bis Zaimoğlu“, das von Brigitta und Thomas Busch 2008 herausgegeben wurde und in dem unterschiedlichste Autoren unterschiedlichste Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit reflektieren. Ist Mehrsprachigkeit nicht eher die Normalität, fragt sich da Kenka Lekovich in „I speak Gulasch“ etwa, oder was hat Sprache mit Zugehörigkeit und Ausgeschlossen-Sein zu tun? Vom Glück, sich in einer neuen Sprache freier ausdrücken zu können wird erzählt (Radek Knapp: Kurze Geschichte meiner Sprache) wie auch von der bitteren Erfahrung, im Exil (sprachlich) auf immer ein Fremder zu sein.

Außerdem war die Frage aufgetaucht, wie wir denn  Sprachen lernen, die mit Hilfe einer Zusammenfassung eines Textes von Ingrid Gogolin beantwortet wurde.

Alles zusammen ein guter Ausgangspunkt, um sich mit der eigenen Mehrsprachigkeit auseinanderzusetzen und nachzusehen, welche Sprachen uns wann, in welchen Situationen und mit welchen Gesprächspartnern zur Verfügung stehen.  Auch dass diese Sprachen in unserer Gesellschaft nicht alle gleich viel wert sind, ist in den Diskussionen zum Ausdruck gekommen.

Hier einige Beispiele von Sprachenportraits, die die SchülerInnen angefertigt haben. Freundlicherweise haben sie einige mit ihren „Erklärungen“ zur Verfügung gestellt.

Zur Zeit wird eifrig an der Planung und Durchführung einer Radiosendung gearbeitet.

Mag. Monika Propst-Yüce MA


Sprachenportrait 1

Deutsch, meine Sprache. Weil ich mich mit ihr am besten ausdrücken kann, ist sie in meinem Gesicht und tritt der Welt entgegen. Außerdem ist sie in meinen Beinen und gibt mir Halt, ist die Grundierung.

In meinen Händen die Sprachen, die ich mir erarbeitet habe: Französisch und Spanisch in der einen. Die beiden Sprachen, in denen ich sehr unsicher bin. Daher finden sie auch in meinem Kopf eher nur einen kleineren Platz weiter hinten.

Die andere Hand gehört Englisch. Da ich Englisch jetzt schon seit einem längeren Zeitraum lerne, fühl ich mich in dieser Sprache viel sicherer, deshalb bekommt sie auch einen größeren Platz in meinem Kopf. Im Laufe der Zeit ist mir diese Sprache sehr ans Herz gewachsen, aber Spanisch hat den Ehrenplatz ergattert. Da es sich bei dieser Sprache um meine Muttersprache handelt, war sie mir schon immer das größte Anliegen.

Carmen S.


Sprachenportrait 2Ich habe Deutsch sehr groß in meinem Kopf dargestellt, weil jeder Gedanke, der durch meinen Kopf geht, “Deutsch“ ist. Es bildet sozusagen mein Gehirn.

English ist ebenfalls ein großer Teil in meinem Kopf, weil ich diese Sprache sehr gerne perfekt beherrschen würde und ich diese Sprache sehr mag.

Französisch bildet leider nur einen kleinen Teil, da ich diese Sprache nicht so gut beherrsche.

Die Sprache Albanisch habe ich in der Nähe meines Herzens und in meinen Armen dargestellt, weil es die Muttersprache von mir ist und ich sie immer im Herzen trage. Die Darstellung in meinen Armen soll den Menschen näher bringen, dass ich, wenn ich mich in dieser Sprache unterhalte, sehr oft mit meinen Händen gestikuliere.

Anton N.


Sprachenportrait 3

Mein Sprachenportrait:

Den größten Teil meines Körpers, und auch den zentralen Teil, an meinem Herzen, füllt die Sprache Deutsch aus. Das ist die Sprache, in der ich großteils lebe und mit der ich aufgewachsen bin.

In meinem Hals vermischt es sich mit Steirisch und was aus meinem Mund kommt, ist dann öfters auch steirischer Dialekt.

Mein Kopf beherbergt die Sprache Englisch, das ist für mich die Sprache des Denkens, bei der ich noch öfters überlegen muss, die mir aber auch schon fast ins Blut übergegangen ist. Sie setzt sich zusammen mit Deutsch in der rechten Hand fort. Das symbolisiert für mich die Wichtigkeit der Sprachen für Arbeit, und alles, wo man im Leben fest zupacken muss.
In der linken Hand sitzt das Spanisch. Das hat jedoch einen anderen Grund; es ist eine Sprache, die ich leider noch nicht so gut beherrsche, wie ich gerne wollte. Sie ist für mich in der linken Hand, da man in Pfadfinderkreisen sagt, diese komme von Herzen. Spanisch ist mir eine sehr wichtige und wie ich finde auch eine sehr schöne Sprache.
In der Schule lerne ich gerade Französisch. Eine Sprache, die ich noch nicht sehr gut kann. Sie befindet sich deshalb in meinem Fuß, weit weg von meiner Körpermitte und abgeschnitten von meinem Kopf, da ich mir im Moment eher weniger vorstellen kann, dass es das Französisch je bis zu meinem Mund schafft.
In meinem anderen Fuß befindet sich mein oberösterreichischer Teil. Er hat sich leider auch schon ziemlich vom deutschen Teil verdrängen lassen, und ich habe leider immer weniger Bezug dazu, je seltener ich meine Großeltern, die schon immer in Oberösterreich gelebt haben, sehe. Aber irgendwo spüre ich eben, dass er immer noch da ist.

Greta B.


 

Sprachenportrait 4Deutsch: im Mundbereich, weil ich diese Sprache am meisten spreche

Spanisch & Französisch: ganz hinten im Kopf, da ich diese Sprachen nicht gut beherrsche
Englisch: im Kopf und auch im Mundbereich, weil ich die englische Sprache sehr gerne auch selber spreche
Albanisch: Im Herzen und in den Armen, da, wenn ich Albanisch rede, meine Hände sehr viele Bewegungen ausführen
Amanda N.


Sprachenportrait 5

Für mich ist Kurdisch die wichtigste Sprache, denn Kurdisch wird bei mir zu Hause am häufigsten gesprochen. Aber ich kann Deutsch viel besser reden und schreiben.

Türkisch wird bei mir zu Hause sehr wenig gesprochen, aber ich unterhalte mich mit meinen Freunden in Türkisch.

Englisch spreche ich nur in der Schule, wie Spanisch, das ich jedoch noch nicht beherrsche.

Mehmet E.

 

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